Der Suchmaschinen-Gigant verleibt sich ein weiteres Stück Internet ein
Google startete heute seinen eigenen, noch experimentellen DNS-Service, um - nach eigenem Bekunden - das World Wide Web schneller und sicherer zu machen. Sofort werden in der gesamten Blogosphäre kritische Stimmen laut, dass Google damit allzu viel an Information und Macht gewinnt. Doch - hatten wir das nicht alles schon einmal?
Rechner in einem Netzwerk, aber eben auch Webseiten im Internet werden durch eine IP-Adresse identifiziert - ein Gebilde in der Form "74.125.44.104". Mit diesen IP-Adressen lassen sich - vereinfacht ausgedrückt - alle im World Wide Web erreichbaren Internetseiten adressieren. Gibt man "74.125.44.104" in die Adresszeile des Browsers ein, landet man, Überraschung, bei Googles Suchmaschine. Damit man sich aber keine unförmigen Zahlengebilde (sozusagen die "Telefonnummern" der Rechner im Internet) merken muss, hat jeder Rechner auch einen leichter zu merkenden Namen, den Hostnamen. Im obigen Fall ist dies "www.google.de". Damit der Browser nun bei Eingabe von "www.google.de" weiß, welcher Rechner im Internet damit gemeint ist, kontaktiert er den Domain Name Service (DNS), der den Hostnamen in die zugehörige IP-Adresse übersetzt. Der DNS ist damit einer der wichtigsten Dienste im Internet.
Die meisten DNS-Server sind privat, das heißt, nur einem bestimmten Nutzerkreis zugänglich. Ein Internet Provider, der einen eigenen DNS-Server betreibt, wird diesen Service normalerweise eben nur seinen Kunden anbieten. Darüber hinaus gibt es einige öffentlich zugängliche DNS-Server, einer der bekanntesten Anbieter solcher öffentlichen DNS-Server ist OpenDNS. Dieser jedoch nur in der Basic-Variante kostenlose Dienst bietet als Mehrwert Content Filtering, Malware- und Phishing-Schutz sowie hohe Auflösungsgeschwindigkeiten Dank einer fortschrittlichen Cashing Technologie. Die Enterprise-Variante für Unternehmen schlägt dann mit einer Jahresgebühr von 2000 Dollar aufwärts zu Buche.
Googles neuer Service ist einmal wieder Gratis
Google fordert Konkurrenten wie OpenDNS einmal mehr heraus. Seit heute bietet das Unternehmen seinen eigenen, globalen und öffentlichen DNS-Service - umsonst. Und die Konkurrenz fühlt sich gleich an Tag Null derart herausgefordert, dass OpenDNS-Gründer David Ulevitch sofort ausführlich blogte, weshalb sein Service besser (Anm. d. Verf.: und deshalb kostenpflichtig?) als der von Google sei. Dass Google aber auch hier keine halben Sachen machen wird, dürfte klar sein. Da mir persönlich in letzter Zeit der DNS meines Provider gehörig auf den Keks ging, da bei jeder eingegebenen Webadresse erst einmal sekundenlang "Host auflösen" in der unteren linken Ecke des Browsers stand, bevor dann irgendwann die Seite geladen wurde, habe ich die DNS des Suchmaschinen-Giganten (eingängig und damit marketingtechnisch perfekt: 8.8.8.8 und 8.8.4.4) sofort testweise im Router hinterlegt. Und die Jungs aus Mountain View versprechen einmal wieder nicht zuviel. Der Dienst ist rasend schnell.
Die gepriesenen Vorteile des Google DNS: Geschwindigkeit und Sicherheit
Der DNS-Dienst ist schnell ein Flaschenhals beim täglichen Surfen. Für immer aufwändigere Webseiten wird Content von immer mehr verschiedenen Servern geladen. Alleine dieser Blog bezieht neben seinen eigentlichen Daten, die Blogger.com hostet, Fotos von Photobucket und Javascript-Schnipsel von mehreren verschiedenen Servern. Und für jede Quelle ist mindestens ein Lookup bei einem DNS-Dienst notwendig. Ist dieser nicht flott unterwegs, verzögert dies das Laden der Seite entsprechend, noch bevor überhaupt ein Byte Content übertragen wurde.
Google begegnet dieser Problematik mit mehreren Ansätzen, von denen einige Standard, andere wiederum experimenteller Natur seien, wie beispielsweise das Prefetching von Namensauflösungen. Dabei werden seltener abgerufene Hostauflösungen bereits vorausschauend in den Cache des DNS geladen, um im Bedarfsfall höhere Zugriffsgeschwindigkeiten zu erzielen.
Zudem birgt der DNS allseits bekannte Risiken. Der Dienst ist grundsätzlich anfällig für Spoofing- und DoS-Angriffe, die beispielsweise zum Ziel haben können, die Anfrage des Users trotz richtig eingegebenen Hostnamens auf Malware- oder Phishing-Seiten umzuleiten. Auch hierfür hat Google angeblich gleich eine ganze Reihe von Sicherheitsmechanismen implementiert, um den Dienst sicher gegen alle bekannten Angriffsvarianten zu machen.
Das Streben nach Macht: Internet wird Google
Und sofort wird wieder die Frage laut: Wieso bietet Google einen fortschrittlichen Dienst an, dessen Entwicklung und Betrieb sicherlich nicht wenig Geld kostet, ohne einen einzigen Cent dafür zu verlangen? Die Antwort ist hier scheinbar offensichtlich: Nun hat der ungekrönte Herrscher des Internets auch noch die Kontrolle über die Zugriffe auf all jene Webseiten, auf denen noch keine AdWord-/ AdSense etc. Kampagnen geschaltet sind. Der gläserne Surfer wird für Google vollends zur Realität. Orwell lässt grüßen.
Doch ist die Frage tatsächlich so leicht beantwortet, oder bläst man mit dieser These nur vorschnell in das Horn all jener, die dem Suchmaschinen-Giganten etwas populistisch das unbedingte Streben nach Weltherrschaft nachsagen? Die Privacy Policy prangt jedenfalls unübersehbar auf der Startseite des Service, und verspricht ausdrücklich:
"We built Google Public DNS to make the web faster and to retain as little information about usage as we could, while still being able to detect and fix problems. Google Public DNS does not permanently store personally identifiable information".
Die volle IP-Adresse des Users würde längstens 48 Stunden gespeichert werden, um beispielsweise DoS-Angriffe erkennen und den Dienst weiter optimieren zu können. Anschließend würden diese Daten gelöscht. In den längerfristigen Logfiles hingegen seien keine personenbezogenen Daten gespeichert, versichert Google, und listet die Zusammensetzung des Logfiles dann im Einzelnen auf. Außerdem würden die Daten nicht mit irgendwelchen Logdaten anderer Google-Services abgeglichen oder in Verbindung gebracht.
Aber auch ohne die personenbezogenen Daten ließen sich auf diese Weise wertvollste Erkenntnisse über das Surfverhalten der weltweiten Internetgemeinde gewinnen, wie beispielsweise die Frage, wie ausgeprägt das Interesse nach einzelnen Internetseiten in unterschiedlichen Regionen der Erde ausgeprägt ist. Und trotz der kritischen Stimmen wird auch dieser neue Service in der Produktpalette sicherlich weiter zu Googles Popularität beitragen. OpenDNS sah sich als Start-Up in der Blogosphäre ähnlichen Vorwürfen ausgesetzt. Heute, vier Jahre später, hat das Unternehmen 15 Millionen Endkunden und löst 20 Milliarden Hostnamen auf - am Tag.
Also nimmt die Geschichte des World Wide Web doch weiter ihren schicksalhaften Lauf. Internet wird Google. Oder ist es das nicht bereits?
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Vor 1 Tag




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